Das Martinsfest in Lank-Latum

Ein Beispiel für lebendige Tradition und Brauchtumspflege

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Martinszüge haben am Niederrhein bereits eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurück reicht. Zwar konnte man damals bei weitem noch nicht von einem Martinsfest heutiger Maßstäbe sprechen, dennoch war es bereits ein besonderes Ereignis im Leben der bäuerlich geprägten Bevölkerung unserer Heimat.


Bei Martinus handelte es sich um einen sogenannten Lostag, einem Tag, an dem die Bauern ihren Gläubigern Tribut zollen mussten.Unter anderem wurden an diesem Tage die Pachtzahlungen für landwirtschaftliche Flächen entrichtet, Anlieger für die Erteilung von Wegerechten entschädigt und das Gesinde (Knechte und Mägde) mit einem Miettaler entlohnt. Da es sich hierbei um Bringschulden handelte, war das ganze Dorf sprichwörtlich auf den Beinen. Im Zusammenhang mit diesen Sitten und Gebräuchen der Erwachsenen bemühten sich natürlich auch die Kinder der Gläubiger um eine Vorteilnahmeauf ihre Art. Sie ergatterten Leckereien in Form von Äpfeln, Nüssen und Mispeln. Süßigkeiten gab es damals noch nicht.

Wenn es aus heutiger Sicht auch sicherlich eher an ein wildes Gewusel erinnern dürfte, handelte es sich für die Kinder damals um einen Tag der besonderen Art in einer entbehrungsreichen Zeit.
Die ersten organisierten Martinsumzüge dürften in etwa mit der Gründung unserer örtlichen Feuerwehr, im Jahre 1902, zusammenhängen. Nicht zuletzt auch aus Gründen des vorbeugenden Brandschutzes hatte die Bevölkerung ein besonderes Interesse daran, die Kinder innerhalb eines gemeinsamen Umzuges besser kontrollieren zu können. Schließlich waren diese mit Laternen ausgerüstet, die mit offenem Licht erhellt wurden und somit eine Feuergefahr darstellten.
Die Brandlast war ohnehin schon durch die leicht entflammbare Bausubstanz damaliger Tage und die Lagerung von Heu und Stroh in der bäuerlichen Siedlungsstruktur enorm hoch, sodass sich völlig automatisch eine enge Verquickung von Feuerwehr und  Martinsbrauchtum ergab. Eine Tradition, die bis in die heutige Zeit anhielt. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Darsteller des Hl. Martins und des armen Mannes aus den Reihen der Wehr kamen. Auch nach dem 2. Weltkrieg und mit Gründung des  Martinskomitees im Jahre 1948 waren die Wehrleute in Ablauf und Organisation des Umzuges involviert. Infolge immer stärkerer Beteiligung von Kindergartengruppen und Schulkindern sah man sich ab Beginn der stmartin2

sechziger Jahre schließlich veranlasst, den Umzug in zwei Züge aufzuteilen.
Seit Anfang der neunziger Jahre wurde die Beteiligung innerhalb der beiden Umzüge so stark, dass das Martinskomitee und die Feuerwehr diese Aufgaben nicht mehr alleine bewältigen konnten. Hier bot zunächst die St. Sebastianus Schützenbruderschaft bei der  Begleitung der Umzüge ihre Unterstützung an. Der im Jahre 1996 neu gegründete KuBuS integrierte schließlich im Jahre 1998 das bisherige Martinskomitee unter der langjährigen Leitung von Karl Münks und setzte seit dem Jahre 1999 die Arbeit des Komitees bis zum heutigen Tage fort. Die Tatsache der anerkannten Gemeinnützigkeit des Vereins sowie die besondere Mitgliederstruktur des KuBuS versprachen neben einer finanziellen Sicherung auch eine Stärkung im Bereich von Nachhaltigkeit und Organisation des Festes.
Heute hat die St. Sebastianus Schützenbruderschaft – als Mitglied des KuBuS – im Ablauf des Martinsfestes eine zentrale Bedeutung. So besteht der gesamte Vorstand des KuBuS aus aktiven Schützen, der General  der Bruderschaft plant alljährlich die Zugaufstellung und den Ablauf der Umzüge, die Schützen bilden die Zugbegleitung und die Vertreter der Martinsgruppe stammen nicht mehr wie einst ausschließlich aus den Reihen der Feuerwehr, sondern gehören allesamt unserer Bruderschaft als aktive Mitglieder an, wenn auch ihre Wurzeln in der Feuerwehr liegen.
Die Martinsgruppe besteht heute aus den beiden Herolden Udo Sparla und Heinz Davids, welche schon seit langem fungieren. So konnte Udo Sparla im Jahre 2009 bereits auf eine 25-jährige Tätigkeit als Herold zurückblicken. Seit dem Jahre 1999 bilden Frank  Neukirchen in der Rolle des Heiligen Martins sowie Uli Hannen als armer Mann die Zentralfiguren der Bettlerszene. Sie traten die Nachfolge von Johannes Kunnen und Paul Bettendorf an, die damals aus Altersgründen dieses Ehrenamt aufgaben. Johannes Kunnen  hatte die Rolle des St. Martin rund 25 Jahre lang inne. Paul Bettendorf blickte im Jahre 1998 sogar schon auf 40 Jahre in der Rolle des armen Mannes zurück. Aber nicht nur das Spielen der Bettlerszene am Martinsfeuer gehört zur Aufgabe der beiden Darsteller. Der  11.11. ist für das Duo gespickt mit Terminen. Die Auftritte in den vier Lanker Kindergärten gehören ebenso zum Programm wie der Besuch in den beiden Seniorenstiften und die traditionelle Visite im Lanker Krankenhaus. So ist es auch kein Wunder, dass die  Darsteller entsprechend textsicher sind.
Schließlich wird der Dialog an diesem Tage 6- bis 8-mal vollzogen.
Höhepunkte des Tages sind aber die beiden Umzüge, bei denen mittlerweile rund 400 Kindergartenkinder, 600 Schulkinder und rund120 Musiker dem heiligen Mann folgen und die besondere Atmosphäre bei der Mantelteilung am Feuer erwarten. Man kann allerdings nicht vom Brauchtum berichten, ohne die finanzielle Seite zu beleuchten. Unser Martinsfest rekrutiert sich seit jeher und ausschließlich aus Spendengeldern der Lank-Latumer Bürger und Geschäftsleute. Im Rahmen einer groß angelegten  Straßensammlung und durch Mithilfe ehrenamtlicher Sammler wird die Basis für einen erfolgreichen Ablauf gelegt. Ohne ein entsprechendes Sammelergebnis kann das Fest in der von uns gewohnten und geschätzten Weise nicht stattfinden. Deshalb ist der KuBuS in höchstem Maße auf die Bereitschaft eines jeden Mitbürgers angewiesen, sich für eine Sammeltätigkeit bereit zu erklären, bzw. einen angemessenen Spendenbeitrag zu leisten. Beides verdient größten Dank, im Sinne einer beliebten und  generationsübergreifenden Tradition.
Ein ganz besonderer Dank gilt zum Abschluss aber vor allem dem langjährigen Vorsitzenden des Martinskomitees Karl Münks und seinen Helfern sowie den beiden leider bereits verstorbenen Darstellern Johannes Kunnen und Paul Bettendorf und dem ehemaligen  Vorsitzenden des KubuS, Benn Davids. Das Martinsfest ist in Lank-Latum auch heute noch ein besonderes Ereignis, an dem Ihr großen Anteil habt.